Wer in Österreich auf der Suche nach gutem Ziegenrohmilchkäse ist hat es nicht leicht. Es gibt genügend (oder zuviele?) Variationen von eingelegten, pasteurisierten Ziegenbällchen in allen möglichen Ölen kombiniert mit etlichen Gewürzen. Vielleicht ist das gut so, weil sonst würde auffallen, dass der eine oder andere Käse ohne geschmacksgebende Öle oder Gewürze auch noch langweilig sein könnte.
Weich- und Frischkäse erzeugt aus Ziegenrohmilch sind rar und im Handel schwer erhältlich. Da führt der Weg unter anderem bis nach Tirol zu Brigitte und Thomas Eberharter, die im Alpbachtal auf 1000 Meter Höhe ihren Bergbauernhof mit 60 Toggenburgern Ziegen bewirtschaften. Seit der Betrieb im Jahr 2004 von den Eberharter’s übernommen wurde, wird konsequent biologisch gearbeitet. Thomas Eberharter kümmert sich um die Almziegen, denen ein Laufstall und steile Bergwiesen (bis zu 45° Neigung) zur Verfügung stehen. Die frischen Gräser und Kräuter der Almwiesen dienen als beste Futtergrundlage für die Tiere. Gekäst wird von Brigitte Eberharter, die aus der Biorohmilch noch besseren Rohmilchkäse erzeugt. Da Brigitte Eberharter für österreichische Verhältnisse experimentell veranlagt ist wird die Rohmilch auf verschiedenste Arten veredelt. Der Frischkäse natur oder mit Kräutern gewürzt überzeugt durch feinen und cremigen Geschmack. “Vergißt” man ihn im Kühlschrank und serviert ihn zwei bis drei Wochen später ist er noch cremiger und kann entweder pur oder mit grobem Salz und gereiftem Aceto Balsamico kombiniert werden. Weiters werden Ziegenweich- und Ziegenschnittkäse erzeugt die ihren geschmacklichen Höhepunkt nach 6-8 Wochen erreichen: Herrlich rezent, cremig und trotzdem immer fein und zurückhaltend. Aber nun zum Felsenkeller! In diesem reifen kleine Laibe bis zu 12 Monate, die schon optisch einen Blickfang darstellen: Rinden mit dieser Struktur sind eher auf Bauernmärkten in Ländern wie Frankreich oder Italien zu erwarten. Die perfekt veredelte Rohmilch ist für eine weitere positive Geschmacksüberraschung gut! Der Ziegenhartkäse bzw. “Toggorino” – der Namen ergibt sich aus der Ziegenrasse Toggenburger und soll an Pecorino erinnern – ist intensiv und würzig aber nicht scharf oder aufdringlich. Die Almkräuter und Gräser kommen erst so richtig zur Geltung.
Kontakt: Brigitte und Thomas Eberharter, Naschberg 8, 6235 Reith im Alpbachtal,
T: 05336/20080, www.alpbachtaler.at
Foto: Zur Verfügung gestellt von Jürgen Schmücking - www.genuss.cc





Traditionell und handwerklich erzeugter Bregenzerwälder Alpkäse (=Bergkäse, der im Sommer auf der Alp/Alm erzeugt wird) ist ein besonderes Produkt. Ein ganz wichtiger Bestandteil der Produktion ist die Lagerung der Milch in den Holzgebsen (runde, traditionelle Holzgefäße). Die Abendmilch kommt nach dem Melken in die Gebsen und wird während der Nacht in diesen aufbewahrt. Eine Kühlung wie in der industriellen Produktion auf unter 4° Celsius findet nicht statt. Am Morgen wird die über die Nacht gelagerte Milch mit der frisch gemolkenen Milch vermischt und die Herstellung beginnt. Das Besondere dieser Produktionsweise ist, dass die Produktion eigentlich schon mit der Lagerung in den Holzgebsen (man beachte die interessante Tatsache, dass Holz in jeder industriellen Käseproduktion verboten ist), beginnt. Werden die Gebsen traditionell nach der Käseproduktion mit 90° Celsius warmer Molke aus dem Kupferkessel gewaschen, bleibt das bakterielle Milieu erhalten und der Rohmilchkäse kann ganz ohne Zugabe von Starterkulturen erzeugt werden. Die Käseerzeugung ohne Starterkultur ist inzwischen eine seltene Handwerkskunst geworden. Um deren Erhalt kümmert sich Josef Gintersdorfer mit seiner “Gemeinschaft Gebsenkäse” (

Sura Kees ist – neben dem Vorarlberger Bergkäse – der zweite Käse aus dem Ländle mit langer Tradition. Schriftliche Aufzeichnungen reichen bis ins 13. Jahundert zurück. Erzeugt wird er im Montafon während Bergkäse hautpsächlich im Bregenzerwald und im Großen Walsertal erzeugt und vermarktet wird. Der Rohmilchkäse wird traditionell auf wenigen Alpbetrieben im Sommer hergestellt. Die Erzeugung dieser Käse ist von einer Sonderheit geprägt, die heute nur noch selten zu finden ist: Auf eine Starterkultur wird verzichtet. Das benötigt neben einem erfahrenen Senner Milch von grasgefütterten Kühen, die die notwendige Kraft mitbringt. Mit Hochleistungskühen wie einer Swiss Brown, läßt sich diese nicht gewinnen. Das originale Montafoner Braunvieh benötigt kein Kraftfutter und gibt wenig, aber dafür umso hochwertigere Milch – die optimale Grundlage für Sura Kees. Heute kommt die weit größere Menge von diesem Kees aus Talbetrieben bei denen neben Laborkulturen auf pasteurisierte und entfettete Milch zurückgegriffen wird. Geschmacklich ist letzterer nicht mit einem unberechenbaren Stück Sura Kees aus den Alpen zu vergleichen und Sie bekommen bestenfalls einen regalgerechten Käse mit immer gleichem Geschmack.